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Roswitha Literaturpreis

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Der älteste deutsche Literaturpreis für Frauen

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Im Zentrum unserer Arbeit steht der Roswitha-Literaturpreis – der älteste deutschsprachige Literaturpreis, der ausschließlich an Schriftstellerinnen vergeben wird. Gestiftet wurde er 1973 von der Stadt Bad Gandersheim, zunächst als jährlich verliehene „Roswitha-Gedenkmedaille“, überreicht am letzten Freitag der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Römer. 1998 erhielt die Auszeichnung ihren heutigen Namen und kehrte an den Wirkungsort ihrer Namensgeberin zurück: nach Bad Gandersheim.

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Seit 2026 ist der Preis mit 20.000 Euro dotiert – eine deutliche Steigerung gegenüber den zuvor über viele Jahre vergebenen 5.500 Euro – und zählt damit zu den höchstdotierten Literaturpreisen für Frauen im deutschsprachigen Raum. Alle zwei Jahre rückt er herausragende Schriftstellerinnen ins Licht der Öffentlichkeit. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Fachjury; die jeweilige Preisträgerin des Vorjahres wirkt automatisch an der folgenden Entscheidung mit.

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Die Verleihung selbst ist kein einzelner Festakt, sondern ein mehrtägiges literarisches Ereignis: mit öffentlichen Lesungen, einem Symposium sowie Veranstaltungen an Schulen. Die Preisträgerin bleibt dem Ort darüber hinaus verbunden und gestaltet mehrere Begegnungen – so entsteht eine literarische Präsenz, die weit über den Tag der Verleihung hinausreicht.

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Die Namensgeberin: Roswitha von Gandersheim

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Der Preis trägt seinen Namen nicht als Zierde, sondern als Auftrag. Vor mehr als tausend Jahren, um 935 bis nach 973, lebte im Reichsstift Gandersheim die Kanonisse Roswitha von Gandersheim – die erste namentlich bekannte Dichterin des deutschsprachigen Raums und die erste Dramatikerin des Abendlandes, von der wir wissen. In lateinischer Sprache verfasste sie Legenden, ein Epos über die Taten Kaiser Ottos des Großen sowie sechs Komödien nach dem Vorbild des römischen Dichters Terenz, mit denen sie dem Theater als Frau eine Stimme gab – zu einer Zeit, in der das kaum denkbar schien.

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Roswitha steht dabei nicht allein. Sie gehört zu einer langen Reihe kluger, tatkräftiger Frauen, die dem 852 gegründeten Stift Gandersheim über die Jahrhunderte Gestalt gaben: von Hathumod, die bereits mit zwölf Jahren erste Äbtissin des Stifts wurde, bis zu Fürstäbtissin Elisabeth Ernestine Antonie von Sachsen-Meiningen, die dem Stift wie dem nahen Brunshausen neuen Glanz verlieh. Es war ein Ort, an dem Frauen dachten, lehrten und schrieben, lange bevor die Welt ihnen das zutraute.

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Hilde Domin, die den Preis 1974 erhielt, fand für dieses Erbe eindrucksvolle Worte. In ihrer Dankesrede griff sie Roswithas lateinische Selbstbezeichnung „Ego clamor validus Gandeshemensis“ auf und übersetzte sie nicht als „die laute Stimme von Gandersheim“, sondern als „der starke Ruf von Gandersheim“. Rufer, so Domin, seien sie alle, denen das Wort zuteilwurde – jede nach ihrer eigenen Begabung.

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Fünfzig Namen, fünfzig Stimmen

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Seit 1973 wurden fünfzig Schriftstellerinnen mit dem Roswitha-Literaturpreis ausgezeichnet – unter ihnen Namen wie Hilde Domin, Elke Erb, Nora Bossong, Ulrike Edschmid oder Lucy Fricke. Wer ihre Kurzbiografien liest, unternimmt eine Reise durch ein halbes Jahrhundert deutschsprachiger Literatur – und zugleich durch eine Geschichte, die in Gandersheim weit älter ist als der Preis selbst.

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Die fünfzigste Trägerin des Preises ist die Comiczeichnerin und Autorin Barbara Yelin. In ihren gezeichneten Erzählungen gibt sie den Lebenswegen von Frauen Gestalt und macht sichtbar, was sonst leicht ungesehen bliebe. Dass eine Comicautorin diesen Preis erhält, ist kein Bruch mit Roswitha, sondern ihre Fortsetzung: Wie die Dichterin vor tausend Jahren einer damals jungen Form ihre Stimme lieh, erweitert Yelin heute, was wir Literatur nennen – und stellt, in der Kombination aus Wort und Bild, die Frau in die Mitte.

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Die fünfzigste Verleihung fällt zugleich in das Roswitha-Festjahr 2026, mit dem Bad Gandersheim unter dem Motto „Roswitha – die 1000-jährige Literaturstadt“ das literarische Erbe seiner Namensgeberin das ganze Jahr über feiert: mit Stadtführungen, Klosterbesichtigungen in Brunshausen, Vorträgen, Konzerten und Sonderausstellungen – eng verbunden mit den Gandersheimer Domfestspielen, die seit Jahrzehnten die Bühne vor der Stiftskirche füllen.

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Das Literaturhaus Bad Gandersheim

 

Die fünfzigste Verleihung des Roswitha-Literaturpreises war der Anlass, dem literarischen Leben unserer Stadt eine feste Struktur zu geben: Mit der Gründung des Literaturhauses Bad Gandersheim e. V. soll das Wort nicht nur einmal im Jahr gefeiert werden, sondern das ganze Jahr über gelesen, geschrieben, gehört und bedacht werden.

Zwischen den Preisjahren lebt das Literaturhaus in einem offenen Jahresprogramm, das jeweils unter einem weit gefassten Jahresthema steht – 2027 etwa „Staunen“. Hier ist die Bühne nicht auf Autorinnen beschränkt, sondern offen für alle Formen: Prosa und Lyrik, Essay und Sachbuch, Kinder- und Jugendliteratur, das philosophische Gespräch und interdisziplinäre Begegnungen von Kunst und Wort. Zu unseren Formaten gehören:

 

Lesungen zeitgenössischer Literatur

 

Der Literarische Salon, der Gäste aus Literatur, Journalismus und Verlagswesen an einem großen Gedanken zusammenführt

 

Der vierteljährliche Literaturstammtisch, der an wechselnden Orten Neugierige, Gelegenheitsleserinnen und leidenschaftliche Bücherfans zum Teilen spontaner Entdeckungen und Lieblingszeilen versammelt

 

Mitmachen

 

Mitmachen kann, wer will. Das Literaturhaus lebt von seinen Mitgliedern, von Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und Partnern wie dem Literaturherbst Göttingen und von allen, die lesen, schreiben oder zuhören möchten.

Unser Ziel ist es, Bad Gandersheim als literarischen Ort neu sichtbar zu machen und uns als literarisches Kompetenzzentrum mit historischer Tiefe und zeitgenössischer Relevanz in Südniedersachsen zu etablieren. Was uns auszeichnet, ist genau diese Verbindung: ein Literaturpreis von bundesweitem Rang im Zentrum, ein offenes, einladendes Programm ringsum – und die Überzeugung, dass Literatur uns hilft, unsere Zeit zu verstehen und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Quellen: Grußwort von Julia Lormis (Vorsitzende, Literaturhaus Bad Gandersheim e. V.); Selbstdarstellung „Dann entstehen Welten“ des Literaturhauses Bad Gandersheim e. V.; Wikipedia-Artikel „Roswitha-Preis“; Stadt Bad Gandersheim, Seite „Roswitha-Literaturpreis“; Kulturpreise.de, Eintrag „Roswitha-Preis“; frauenORT Roswitha (Bad Gandersheim Tourismus); Programmseite „Roswitha-Festjahr 2026 Bad Gandersheim“.

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Quellen: Grußwort von Julia Lormis (Vorsitzende, Literaturhaus Bad Gandersheim e. V.); Selbstdarstellung „Dann entstehen Welten“ des Literaturhauses Bad Gandersheim e. V.; Wikipedia-Artikel „Roswitha-Preis“; Stadt Bad Gandersheim, Seite „Roswitha-Literaturpreis“; Kulturpreise.de, Eintrag „Roswitha-Preis“; frauenORT Roswitha (Bad Gandersheim Tourismus); Programmseite „Roswitha-Festjahr 2026 Bad Gandersheim“.

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